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schrub Frau Schnatterliese am 25. März 2010 um 6 uhr 58 -

Nebelwald 19. März 2010, halb Sieben. Frau Jott bollert freundlich an die Tür. “Lebst Du noch?”, fragt sie. Ich brumme laut und vernehmlich, ich bin ein Bär, alles ist gut. Herrjeh, ich bin ja in Orsa und ich habe geschlafen wie ein Stein. Fröhlich sein macht offensichtlich müde! Mit einer Tasse Kaffee und einer Zigarette verschwinde ich in den Carport. Im Ferienhaus herrscht Rauchverbot. Ich muss festestellen, dass das Wetter gar schauderlich ausschaut. Grau, düster und die Wolken hängen tief. OH! Ein Bär! Ein Eisbär im Nebelwald

Kebbelei in Milchsuppe Wir sind gespannt, mit welchen Überraschungen die Bären wohl heute aufwarten und fahren den Berg nach Grönklitt hoch. Auf dem Berg herrscht dicker Nebel. Der Tiger-Mountain ist nicht zu sehen. Wir finden zwar , dass die Welt in Schneeweiß schöner ist, als in Nebelgrau, aber wir sind ja nicht wegen dem Wetter hier. 10 Minuten zu früh kommen wir am Bärenpark an.  Aber es gibt immer Besucher, die noch früher als wir zugegen sind, in diesem Zoo, in den angeblich niemand je geht und den ich bis dato immer fast ein wenig zu voll fand, egoistisch wie ich nun einmal bin, hätten ausser Frau Jott und mir überhaupt keine Besucher da sein müssen. Aber Frau Jott weist darauf hin, dass das wohl nicht so optimal wäre, irgendwie muss das ja alles bezahlt werden. Wo sie Recht hat, hat sie eben Recht. anhimmeln (wobei der himmel quasi real verhangen ist)

Pasodoble? Wie auch immer, wir sind mit Anette verabredet. Anette ist eine der Tierpflegerinnen im Björnpark. Anette ist aber, als wir am Eisbärenberg ankommen, noch mit Ewa und Wilbär beschäftigt. Also schauen wir uns den nebelverhangenen Wald an. Und finden es schön, wir sind ein wenig monothematisch in unserer Warnehmung geworden. Irgendwie ist alles schön. Sonne schön, Schnee schön, Regen schön, Nebel schön. Kalt ist auch schön.

Jubel im Stadion! Anette ist eine ganz wunderbare Person. Sie wünscht uns fröhlich und freundlich einen guten Tag und steht uns für alle möglichen Fragen zur Verfügung. Wir fragen nach dem dünnen Fell der Bären und sie erklärt, dass es sich bei dem dünnen Fell um einen parasitären Befall handelt, der aber in Behandlung ist und diese Behandlung zeigt Wirkung. Das Fell wächst nach. Sie erklärt uns, dass das im Moment wohl ein recht großes Problem in Zoos ist und dass man eigentlich nicht wirklich sagen kann, was der tatsächliche Auslöser ist.

Wir haben auch in den Zoos in Deutschland in letzter Zeit viele Bären mit Fellproblemen gesehen und haben noch nirgendwo eine vernünftige Erklärung nachlesen können. Anette versichert uns, dass ihre beiden Bären aber nicht darunter leiden oder gar frieren würden (nicht, dass wir das gedacht hätten) . Gut, wer sich tagein - tagaus im Schnee wälzt, dem ist wohl wirklich nicht kalt…. Wilbär sieht mit seiner Rückentonsur aus wie ein Mönch und Ewas nachwachsendes Fell wirkt wie plüschiger Vlies. Klammerblues

Wir fragen, ob und wie gut sich die beiden mittlerweile miteinander verstehen, und wie gut sie sich eingelebt haben. Anette strahlt. Beide Bären verstehen sich aussergewöhnlich gut, sie gehen vollkommen freundlich und aggressionsfrei miteinander um. Sie fressen zusammen und teilen auch ihr Futter miteinander.

Ewa fühlt Wilbär mal den Puls ;-) Ewa und Wilbär haben im Björnpark gelernt, dass und wie sie ihre Nasen zu nutzen haben. Ich gucke ein wenig verwirrt. Wie ist das zu verstehen. Anette erklärt, dass Zoobären ihre Nasen nicht zielgerichtet nutzen müssen, da sie ihr Futter stets serviert bekommen und für einen solchen (ich bekomme langsam Zweifel) Luxus benötigen die Eisbären lediglich ihre Augen. Witzig denke ich, denn etwas Ähnliches hat Herr Dörflein einmal erzählt, in einem anderen Zusammenhang. Ich fand es immer komisch, dass über Eisbären die Mähr erzählt wurde, dass sie nicht gut sehen könnte, was Herr Dörflein in Bezug auf Lars mit den Worten “Der ist doch nicht doof, der sieht ganz genau, woher wir mit dem Futter kommen” kommentierte. Dacht ich’s mir doch, dacht ich mir damals, doof sind die nicht! Freundschaft

Wilbär markiert den dicken Maxe Ewa und Wilbär schnüffeln in der Tat ständig, zwar nicht nach ihren Besuchern, sondern eher sehr aufmerksam in der Gegend herum. Und sie finden im Schnee immer wieder Knochen- und Fellreste der Tiere, die im Herbst und Frühwinter in den Anlagen versteckt wurden. Und erschnüffeln sich über den Tag verteilt ihre Snacks.

tag you're it Dann erzählt Anette, dass die beiden Bären mit Begeisterung am täglichen Klickertraining und Tagettraining teilnehmen. Mit einem bunten Tennisball hat sie den Beiden beigebracht ihr, beziehungsweise dem Ball, zu folgen. Damit kann sie die Bären von einer in die andere Anlage lenken, wenn beispielsweise in einer Anlage Futter versteckt werden soll. Und mit dem Target sollen die Bären lernen, spätere medizinische Untersuchungen zu tolerieren. Ewa und Wilbär sind gute Schüler und lernen schnell.

EisbärenfreundschaftWir sprechen über den Zoo San Diego und über Joanne Simerson, die mit ihren Bärinnen Ultraschalluntersuchungen durchführen kann; Anette erzählt, dass das eines der Ziele wäre, einmal Ewa so zu trainieren, dass sie derartige Untersuchungen akzeptiert. Ich denke so bei mir, dass ich wirklich hoffe, dass ihr das gelingt. Das wäre wunderbar. Später, bei einer Ewa’schen Ausgrabung im Schneehügel aber, bekomme ich belustigt Zweifel, ob Ewa überhaupt in ihre mit allem SchnickSchnack ausgestattete Geburtshöhle gehen wird, wenn die Zeit kommt, oder ob sie sich nicht einfach im Schneeberg eingräbt. ;-)  großer Spaß!

vom Laib halten ;-) Ulli und ich sind ein wenig geplättet. Der Zoo, dem so viele nichts zugetraut haben oder wollten ist so viel wissenschaftlicher organisiert und aufgestellt, wie nahezu alle deutschen Zoos, die wir kennen. Wir freuen uns an und mit Ewa und Wilbär. Sie sind in der glücklichen Lage offensichtlich in einem der Zukunftszoos der Welt zu sein. Ein Zuhause, dass wir allen Bären wünschen, Einem ganz besonders. Aber das ist eine andere Geschichte. Wilbär says: Jippieh

Ewa says: Johooooooooo Im Nebel, der immer mehr in die Anlage zieht spielen Ewa und Wilbär ausgelassen. Jeder Tag ist anders. Jeder Tag ist toll. Wir sind froh hier sein zu dürfen. Sehr froh. Postkarten kaufen, heimfahren, Kaminholz kaufen, Wein einschenken, essen und freuen. Immerzu nur freuen! Still two days to go!

10 kommentare zu “Orsa - Eine Reise in einen Traum (Teil 3)”

  1. patricia roberts schrub am  25. März 2010 um 09:39

    Dear Sabine, I adore your descriptions of the bears and enclosure. It gives me a feeling as if I was standing next to your there. And since I just saw “still two days to go”, I assume that this means Parts 4 and 5 will follow soon.
    And now watching the pics of you and Frau Jott.
    Regards,
    Patricia

  2. Gerti schrub am  25. März 2010 um 09:48

    Na ein Glück, Liesel, dass Du nicht aufhören kannst zu schreiben !

    Da kann ich gar nicht genug von lesen und die schönen Bilder sehen.

    Einfach nur herrlich und eine große Freude.

  3. Jessy, Berlin schrub am  25. März 2010 um 13:07

    Liebe Liesel,

    ein wunderschöner Reisebericht mit tollen Fotos. Man merkt euch beiden Reisenden eure Begeisterung total an und den beiden Glücksbärchen ihre Lebensfreude.
    Dankeschön für’s teilhaben lassen.

    Viele Grüße, Jessy.

  4. Christa Niederreither schrub am  25. März 2010 um 14:18

    Liebe Liesel,
    dein Bericht haut jeden Eisbaerenliebhaber aus den Socken!!!!
    Leute, die diese Empfindung nicht haben, sind keine Eisbaerenliebhaber!
    Baerige Gruesse aus Kanada
    Christa

  5. martina nrw schrub am  25. März 2010 um 14:48

    liebe liesel
    glädje,glädje glädje

    ja ich hab auch freude an den tollen fotos und den wirklich sehr schönen berichten,die sooo schön gefühlsmäßig rüberkommen.
    ich hab ’s bei ulli auch schon geschrieben.das stimmt mich aber auch nachdenklich (nicht knutmäßig)sondern bärenmäßig.
    ewa und wilbär sind ja keine traumtänzer sondern real dancer.
    is auch bestimmt nich für alle machtbar,aber—–

    danke liesel und auch ulli für die reise ins paradies des” grauen”
    und der so” unqualifizierten” obertollen pflegern.
    martina

  6. criblo schrub am  25. März 2010 um 15:03

    Danke für die lesens- und sehenswerte Fortsetzung des Bärentraums - bin schon auf den nächsten Teil gespannt.

    Herzliche Grüsse
    Chris

  7. Kris schrub am  25. März 2010 um 16:00

    Ich kann nicht glauben, dass Du bis halb sieben geschlafen hast! ;-)

    Eigentlich schade, dass Ihr nur fünf Tage dort gewesen seid, denn so stehen nur noch zwei Fortsetzungen bevor. Jetzt, wo der Winter bei uns endlich überstanden ist und ich mir völlig entspannt die Schneefotos ansehen kann, könnte das noch eine Weile so weiter gehen :-)

    Für’s Herzbrechen allerdings hat das bisher Gesehene und Gelesene schon mehr als gereicht.

  8. Christina M. schrub am  25. März 2010 um 18:18

    Ganz wunnebar!!! Goril…, eh, Polar Bears in the Mist!

    Klar können Eisbären gut sehen, ich vermute fast adlermäßig - also, ICH könnte keine einzelne Weintraube mit der Schnauze auffangen wie der Herr Knut das z.B. kann!

    LG

    Christina

  9. BEA schrub am  25. März 2010 um 20:38

    Liebe Liesel, vielen Dank für die Fortsetzung deines Zooberichtes.
    Je mehr ich über den Park lese,um so mehr wächst mein Wunsch diesen mal mit eigenen Augen zu sehen.

    LG
    Bea

  10. Elke schrub am  27. März 2010 um 14:00

    Auch Teil 3 ist einfach nur berauschend schön! Und glauben wollte ich noch nie, dass dort unfähige Pfleger einen schlechten Job machen würden.

    Ewa und Wilbär sind echt zu beneiden!

    LG Elke


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