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schrub Frau Schnatterliese am 29. März 2010 um 20 uhr 24 -

Polar World Das kann man sich irgendwie nicht vorstellen… So fangen viele Sätze an, in denen ich versuche zu beschreiben, wie es sich im Bärenpark sich anfühlt. Und letztendlich ist es wohl wirklich ein sinnloses Unterfangen auch nur ansatzweise den Versuch zu unternehmen. Wie auch immer, deswegen: trotzdem!

Wenn man aus dem Eingangsbereich in den Björnpark kommt, denkt man sich nichts ‚Böses‘, es ist alles nett verschneit, man sieht rechts am Wegesrand das erste Gehege, an dem gut sichtbar ein Schild hängt, das Besucher bittet sich leise und rücksichtsvoll zu verhalten, da im Gehege zwei neue Wölfe gerade an ihre neue Umgebung gewöhnt werden. Schnullerherz Man nimmt die durchgängig bewaldeten sehr großen Gehege zur Kenntnis, aber erst einmal auch nicht mehr. Vielleicht hängt das mit der Erwartungshaltung zusammen, dies ist schließlich kein klassischer  Zoo, das ist ein Bärenpark. Als nächstes kommt man auf dem Weg zu den Eisbären an einem Braunbärengehege vorbei. Dort steht geschrieben, dass Freja mit ihrem Braunbärennachwuchs zwischenzeitlich leider aus dem Zentrum der Webcam weggezogen waren und deswegen manchmal nichts sehen ist. Dem Nachwuchs geht es gut und neben den Tafeln, die etwas über Braunbären erzählen, hängt ein Herz aus Zuschauerbabyschnullern. Hmmmm…

Ewas Nase Dann betritt man die Polarworld und es ist irgendwie komisch. Richtig, alles ist eingezäunt, hoch eingezäunt, wobei die Höhe ja für den durchschnittlichen Menschen irrelevant ist, niemand geht in einen Zoo oder Tierpark um sich durch den Zaun den Himmel anzusehen. Die Zäune sind hoch genug, damit kein Tier das Gehege verlässt und hoch genug, damit kein Besucher in das Gehege rein kommen kann. Man kann aber durch den Maschendrahtzaun hervorragend gucken und als Wilbär das erste Mal mit Vollkaracho auf uns zugerannt kommt, um uns zu erschrecken, finde ich persönlich den Umstand, dass ein Tier so nahe an einen ran kommt einfach klasse. Dinge, die man sonst nicht mitbekommt, sind gut hörbar. Eisbärenschnaufen und Nasenpusten, oder Schneekauen kann man hören, und dem, der es noch nicht gehört habe, kann ich sagen, dass es ein sehr interessantes ploppendes hohles Geräusch ist, wenn ein Bär Schnee futtert.

Im anderen Gehege, in dem mit dem Schneeberg, kann man die Bären sehr gut aus dem Exhibition-Center heraus anschauen. Das Gebäude ist großzügig verglast und bietet nahezu einen Rundumblick in die Anlage. BUH! Hier kann man, wenn die Bären nahe an eine der Glasscheiben kommen, einen Eindruck davon bekommen, wie groß die Beiden jetzt schon sind, speziell Wilbär, der ja gerade mal über zwei Jahre alt ist. Ich war überrascht, dass und wie gut man die Eisbären sehen kann, vielleicht ist es im Sommer ein bisschen schwieriger, weil dann zum einen mehr Grünzeugs da ist und der See nicht zugefroren ist. Die Gehegegröße habe ich erst nicht richtig zur Kenntnis genommen, ich war viel zu aufgeregt, endlich in Orsa zu sein und endlich Wilbär und Ewa zu sehen.

ein Anlagenteil von Tiger-Mountain aus gesehen… Die Größe und die Weitläufigkeit habe ich erst am zweiten Tag ernsthaft verstanden, und zwar, als wir von Tiger-Mountain auf die große Anlage mit den winzig kleinen Bären herunter geschaut haben. Beeindruckender aber oder besser fast schon schockierender, vielleicht bedingt das Eine auch das Andere, ist wie irgendwie anderes sich die Bären benehmen, welchen Eindruck Beide vermitteln.

In Ermanglung eines besseren Wortes würde ich Ewa und Wilbär als souverän und autonom bezeichnen. Ruhig, selbstbewusst, aufmerksam aber nie hektisch, sehr auf sich bezogen aber interessiert an ihrer Umwelt. Am interessantesten waren die Momente, wenn beide Bären mit ihren jeweils eigenen Dingen beschäftigt waren. Ewa buddelt zum Beispiel gerne Löcher in die Eisdecke des Sees. Leine ziehen :-))))) Anette vermutet, dass sie das langsam tauende Wasser hört und neugierig ist, was wohl unter dem Eis passiert. Und bei diesen Buddeleien lässt sie sich nicht gerne stören. Auch wenn Wilbär sonst immer stören darf, wenn das Eisloch wichtiger ist, dann zeigt sie Wilbär kurz und knapp, dass jetzt nicht die Zeit ist, und Wilbär versteht das umgehend und zieht Leine.

Ewa ist von den Eisbären die bestimmtere, sie kann ganz deutlich Grenzen ziehen, tut das aber nie in einer Form, dass man fürchtet, dass Wilbär sich ernsthaft eine ‚Watschen‘ einfängt. Ich denke, der dicke Moppel nimmt die halberwachsene Lady ernst. Am dritten Tag in Orsa überrollt mich das alles mit einem Mal mit einer Wucht, dass ich minutenlang keinen klaren vernünftigen Gedanken fassen kann.  Fangen spielen Diese Andersartigkeit, dieses Selbstverständnis mit dem Eisbären in ihrem Reich herumwandern, diese absolute Sicherheit in den Bewegungen. Diese erstaunliche Ignoranz all dem gegenüber, was außerhalb der Gehege vor sich geht. Pfleger, Parkmitarbeiter, Besucher – wenn die Bären ‚uns‘ draußen nicht für wichtig genug erachten und das tun sie meistens, dann kann man den Egalfaktor, den wir für Ewa und Wilbär haben, fast körperlich spüren.

Das ist ein gutes und faszinierendes Gefühl, nur so da zustehen und Mobiliar des Parks zu sein, aus Sicht der Tiere. Man kann – glaube ich - nur so beobachten, wie Eisbären eben auch sind. Beispielsweise erstaunlich war, dass die Bären den ganzen Tag - mit kleineren Ruhephasen - beschäftigt sind. Ich meine nicht, beschäftigt mit Spielzeug, das auch, aber viel eher sind die Bären beschäftigt mit ‚suchen, machen und finden‘. Und was sie finden, das ist so unvorhersehbar, wie eigentlich alles, was sie tun. Mal ist es ein oller Holzklotz, mal ein alter Knochen, mal ist es ein Baumzweig, mal ist es ein neues Loch im schmelzenden Eis, ach herrjeh; machen, machen, machen, immer wieder auf dem Bauch den Schneeberg runter. Jippieh!!!!!!!!!!!!!!!!!

Mal zerkaut oder zerdetscht ein Eisbär einen Kanister alleine, manchmal wechseln sie sich ab, dem Kanister den garaus zu machen. Mal rennen sie sich nur hinterher, manches Mal kann man gerade zu erkennen, dass sie einfach nur losraufen wollen. All das ist für die Eisbären auch anstrengend und man hört und sieht, wie außer Puste beide bisweilen sind. Dann stehen sie sich gegenüber und schnaufen und pumpen sich Luft in die Lungen, wie Ringkämpfer. Oder lassen sich in den kühlen Schnee fallen.

Wilbär Die Atmosphäre, in der man sich in Orsa Bären anschauen kann, ist erschreckend direkt. Eben nur oder gerade weil es nichts mit einem selber zu tun hat, aber alles mit den Eisbären. Man kommt nicht umhin, sich zu wünschen, dass es mehr von dieser Art der Bärenunterbringung gäbe. Es ist nicht so, dass ähnliches nicht auch in regulären Zoos mit wesentlich kleineren Gehegen möglich sein könnte. Nur müssten hierfür Dinge geändert werden. In allererster Linie muss in meinen Augen überdacht werden, was wirklich für die Tiere sinnvoll ist. Ist es in einem normalen Zoo wirklich nicht möglich, den Eisbären das Nutzen der Nase, oder besser das Nutzen all ihrer Instinkte wieder anzugewöhnen? Kann man sich nicht Wege erarbeiten, dass Bären mehr tun für ihr Futter, als sich zur rechten Zeit am rechten Ort in Position zu stellen? Ein Beispiel in kurz: braucht ein Zootier wirklich regelmäßige, öffentliche und zeitlich festgelegte Fütterungen?

Wenn schon nicht ausreichend Platz vorhanden ist, den Bären das Futter auf ihren jeweiligen Anlagen so zu verstecken, dass sie den Tag über beim Suchen den Kopf und sich anstrengen müssen, etwas zu finden; kann man dann nicht das Futter wenigstens schwerer erreichbar machen, in dem man es in Kanister, Kugeln oder sonstige ‚Gefäße‘ verschließt, oder wegen mir an Bäume oder Seilzüge hängt, oder unter Steine packt? Ewa und Wilbär Warum kriegen die Bären keine Fische zum jagen? Warum keine (toten) Tiere ‚am Stück‘ mit Fell und allem Schnipp und Schnapp, die man nicht mit nur einem Happs runterschluckt? Warum – und das ist meine ganz persönliche Meinung – sind Wege in so vielen Zoos so breit und Grünanlagen so üppig, wenn das Alles platztechnisch zulasten größerer Gehege geht? Das sind Zugeständnisse an Besucher und wirken sich letztendlich zum Nachteil der Tiere aus.

Ewa In Orsa kann man nicht nur Tiere sehen, oh nein, in Orsa kann man Tiere erleben. Und in Orsa kann man was lernen, über Bären, über Natur, über Dichtung vs. Realität. In Orsa kann man zudem etwas ganz Besonderes erfahren, und zwar über sich selbst.

Und das, das muss ein jeder für sich selbst herausfinden. Fahren Sie hin. Sie werden verblüfft sein und dieses Erlebnis nicht missen wollen. MfG, Ihre Liesel

4 kommentare zu “Orsa-Gedanken”

  1. Tina schrub am  30. März 2010 um 06:49

    Ich hoffe, dass ich wirklich mal Gelegenheit habe, mir Orsa in echt anzuschauen. Ulli und du habt das zwar alles unglaublich anschaulich rübergebracht, aber das alles selbst höchstpersönlich zu erleben ist bestimmt das non plus ultra.

    Wie hätte ich mir das alles für Knut gewünscht. Aber das ist ja leider gelaufen… Solche Lebensbedingungen kann ein Zoo und gerade ein Innenstadtzoo wie Berlin nicht bieten. Aber du hast Recht, man kann selbst dort gewisse Bedingungen jedenfalls verbessern. Bleibt zu hoffen, dass das auch passiert. Und nicht nur in Berlin.

  2. martina nrw schrub am  30. März 2010 um 16:50

    so ein bärenpark ist bestimmt ein ganz besonderes erlebnis,unbeschreiblich.
    du hast ihn uns schon sehr,sehr nahe gebracht.

    so was für alle bären,träum,träum,wäre aber schööön.träum.
    ich meine langweilige und reizarme gehege sollten der vergangenheit angehören.und das das machtbar ist finde ich auch.

    ich glaube alle menschen mit großem herzen haben dem kleinen kuschelknut
    solch ein eisbärreich wie orsa gewünscht.
    behütet und doch fast” frei”.
    man sagt: der zoo ist für den menschen da und nicht für die tiere.
    ich denke aber: der zoo ist für den menschen da,aber im vordergrund steht immer das tier.,das lebt und stirbt ja auch im zoo.,in seinem zu hause.
    wir sind nur gäste.
    hat mich alles etwas nachdenklich gemacht

  3. Jessy, Berlin schrub am  1. April 2010 um 14:37

    Liebe Liesel,

    ein schönes Resümée hast Du hier verfasst und ich kann durchaus nachvollziehen, dass Dir (und Ulli) im nachhinein viele Gedanken durch den Kopf gegangen sind.
    Ob nun die Möglichkeiten bestehen, in Zoos Dinge anders, besser oder auch interessanter zu gestalten, wage ich zu bezweifeln. Denn ein Zoo lebt ja oftmals nur von Spendengeldern und Besuchereinnahmen. Zudem können die Pfleger den ganzen, ihnen anvertrauten Tieren, gar nicht gerecht werden, weil sie dazu einfach keine Zeit haben.
    Man denke nur zurück, als Herr Dörflein versucht hat, Dinge für Knut zu organisieren oder spannender zu machen,… es wurden ihm von höchster Stelle Steine in den Weg gelegt.

    Ich bin mir ziemlich sicher, dass viele Pfleger in etlichen Zoo’s so ihre eigenen Gedanken zu diesem Thema haben, aber sie leider nicht umsetzen dürfen. Letztendlich ist ein Zoo auch nur eine “Maschinerie”, die funktionieren muss, und dass so kostengünstig wie möglich.

    Aber es wäre schön, wenn sich daran etwas ändern würde.

    Ich wünsche Dir (und allen anderen) schöne Osterfeiertage und danke Dir für Deinen “Orsa-Traum” und das Teilhaben-lassen an Deinen Gedanken.

    Viele Grüße, Jessy.

  4. Elke schrub am  9. April 2010 um 15:57

    Warum hab ich den Bericht eigentlich erst heute entdeckt, als ich noch mal die Orsa-Berichte gelesen habe… ????

    Egal, ich finde es toll, wie du die Stimmung und das Erleben dort mit uns teilst. Und das Schnaufen eines Eisbärs SO zu hören, muss einfach umwerfend sein. Nicht wie bei Knut, den man hören kann, weil er halt keinen Platz hat zum rennen und toben wie Ewa und Wilbär. Ich muss immer automatisch an Knut denken und was ihm da vorenthalten wurde. Doch natürlich freue ich mich für Wilbär und Ewa, die beiden Glückskinder.

    Und das mit den Wegen und Grünflächen, aber engen Gehegen… da hast du recht. Das ist mir in der Wilhelma schon aufgefallen und auch im Tierpark in Berlin. Riesige Flächen und dann das Malaiengehege… :-((( Aber wie immer steht und fällt alles mit dem Geld, das zur Verfügung steht.

    Ich würde mich freuen, wenn es mehr Orsas auf dieser Welt gäbe.


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