Das kann man sich irgendwie nicht vorstellen… So fangen viele Sätze an, in denen ich versuche zu beschreiben, wie es sich im Bärenpark sich anfühlt. Und letztendlich ist es wohl wirklich ein sinnloses Unterfangen auch nur ansatzweise den Versuch zu unternehmen. Wie auch immer, deswegen: trotzdem!
Wenn man aus dem Eingangsbereich in den Björnpark kommt, denkt man sich nichts ‚Böses‘, es ist alles nett verschneit, man sieht rechts am Wegesrand das erste Gehege, an dem gut sichtbar ein Schild hängt, das Besucher bittet sich leise und rücksichtsvoll zu verhalten, da im Gehege zwei neue Wölfe gerade an ihre neue Umgebung gewöhnt werden.
Man nimmt die durchgängig bewaldeten sehr großen Gehege zur Kenntnis, aber erst einmal auch nicht mehr. Vielleicht hängt das mit der Erwartungshaltung zusammen, dies ist schließlich kein klassischer Zoo, das ist ein Bärenpark. Als nächstes kommt man auf dem Weg zu den Eisbären an einem Braunbärengehege vorbei. Dort steht geschrieben, dass Freja mit ihrem Braunbärennachwuchs zwischenzeitlich leider aus dem Zentrum der Webcam weggezogen waren und deswegen manchmal nichts sehen ist. Dem Nachwuchs geht es gut und neben den Tafeln, die etwas über Braunbären erzählen, hängt ein Herz aus Zuschauerbabyschnullern. Hmmmm…
Dann betritt man die Polarworld und es ist irgendwie komisch. Richtig, alles ist eingezäunt, hoch eingezäunt, wobei die Höhe ja für den durchschnittlichen Menschen irrelevant ist, niemand geht in einen Zoo oder Tierpark um sich durch den Zaun den Himmel anzusehen. Die Zäune sind hoch genug, damit kein Tier das Gehege verlässt und hoch genug, damit kein Besucher in das Gehege rein kommen kann. Man kann aber durch den Maschendrahtzaun hervorragend gucken und als Wilbär das erste Mal mit Vollkaracho auf uns zugerannt kommt, um uns zu erschrecken, finde ich persönlich den Umstand, dass ein Tier so nahe an einen ran kommt einfach klasse. Dinge, die man sonst nicht mitbekommt, sind gut hörbar. Eisbärenschnaufen und Nasenpusten, oder Schneekauen kann man hören, und dem, der es noch nicht gehört habe, kann ich sagen, dass es ein sehr interessantes ploppendes hohles Geräusch ist, wenn ein Bär Schnee futtert.
Im anderen Gehege, in dem mit dem Schneeberg, kann man die Bären sehr gut aus dem Exhibition-Center heraus anschauen. Das Gebäude ist großzügig verglast und bietet nahezu einen Rundumblick in die Anlage.
Hier kann man, wenn die Bären nahe an eine der Glasscheiben kommen, einen Eindruck davon bekommen, wie groß die Beiden jetzt schon sind, speziell Wilbär, der ja gerade mal über zwei Jahre alt ist. Ich war überrascht, dass und wie gut man die Eisbären sehen kann, vielleicht ist es im Sommer ein bisschen schwieriger, weil dann zum einen mehr Grünzeugs da ist und der See nicht zugefroren ist. Die Gehegegröße habe ich erst nicht richtig zur Kenntnis genommen, ich war viel zu aufgeregt, endlich in Orsa zu sein und endlich Wilbär und Ewa zu sehen.
Die Größe und die Weitläufigkeit habe ich erst am zweiten Tag ernsthaft verstanden, und zwar, als wir von Tiger-Mountain auf die große Anlage mit den winzig kleinen Bären herunter geschaut haben. Beeindruckender aber oder besser fast schon schockierender, vielleicht bedingt das Eine auch das Andere, ist wie irgendwie anderes sich die Bären benehmen, welchen Eindruck Beide vermitteln.
In Ermanglung eines besseren Wortes würde ich Ewa und Wilbär als souverän und autonom bezeichnen. Ruhig, selbstbewusst, aufmerksam aber nie hektisch, sehr auf sich bezogen aber interessiert an ihrer Umwelt. Am interessantesten waren die Momente, wenn beide Bären mit ihren jeweils eigenen Dingen beschäftigt waren. Ewa buddelt zum Beispiel gerne Löcher in die Eisdecke des Sees.
Anette vermutet, dass sie das langsam tauende Wasser hört und neugierig ist, was wohl unter dem Eis passiert. Und bei diesen Buddeleien lässt sie sich nicht gerne stören. Auch wenn Wilbär sonst immer stören darf, wenn das Eisloch wichtiger ist, dann zeigt sie Wilbär kurz und knapp, dass jetzt nicht die Zeit ist, und Wilbär versteht das umgehend und zieht Leine.
Ewa ist von den Eisbären die bestimmtere, sie kann ganz deutlich Grenzen ziehen, tut das aber nie in einer Form, dass man fürchtet, dass Wilbär sich ernsthaft eine ‚Watschen‘ einfängt. Ich denke, der dicke Moppel nimmt die halberwachsene Lady ernst. Am dritten Tag in Orsa überrollt mich das alles mit einem Mal mit einer Wucht, dass ich minutenlang keinen klaren vernünftigen Gedanken fassen kann.
Diese Andersartigkeit, dieses Selbstverständnis mit dem Eisbären in ihrem Reich herumwandern, diese absolute Sicherheit in den Bewegungen. Diese erstaunliche Ignoranz all dem gegenüber, was außerhalb der Gehege vor sich geht. Pfleger, Parkmitarbeiter, Besucher – wenn die Bären ‚uns‘ draußen nicht für wichtig genug erachten und das tun sie meistens, dann kann man den Egalfaktor, den wir für Ewa und Wilbär haben, fast körperlich spüren.
Das ist ein gutes und faszinierendes Gefühl, nur so da zustehen und Mobiliar des Parks zu sein, aus Sicht der Tiere. Man kann – glaube ich - nur so beobachten, wie Eisbären eben auch sind. Beispielsweise erstaunlich war, dass die Bären den ganzen Tag - mit kleineren Ruhephasen - beschäftigt sind. Ich meine nicht, beschäftigt mit Spielzeug, das auch, aber viel eher sind die Bären beschäftigt mit ‚suchen, machen und finden‘. Und was sie finden, das ist so unvorhersehbar, wie eigentlich alles, was sie tun. Mal ist es ein oller Holzklotz, mal ein alter Knochen, mal ist es ein Baumzweig, mal ist es ein neues Loch im schmelzenden Eis, ach herrjeh; machen, machen, machen, immer wieder auf dem Bauch den Schneeberg runter. ![]()
Mal zerkaut oder zerdetscht ein Eisbär einen Kanister alleine, manchmal wechseln sie sich ab, dem Kanister den garaus zu machen. Mal rennen sie sich nur hinterher, manches Mal kann man gerade zu erkennen, dass sie einfach nur losraufen wollen. All das ist für die Eisbären auch anstrengend und man hört und sieht, wie außer Puste beide bisweilen sind. Dann stehen sie sich gegenüber und schnaufen und pumpen sich Luft in die Lungen, wie Ringkämpfer. Oder lassen sich in den kühlen Schnee fallen.
Die Atmosphäre, in der man sich in Orsa Bären anschauen kann, ist erschreckend direkt. Eben nur oder gerade weil es nichts mit einem selber zu tun hat, aber alles mit den Eisbären. Man kommt nicht umhin, sich zu wünschen, dass es mehr von dieser Art der Bärenunterbringung gäbe. Es ist nicht so, dass ähnliches nicht auch in regulären Zoos mit wesentlich kleineren Gehegen möglich sein könnte. Nur müssten hierfür Dinge geändert werden. In allererster Linie muss in meinen Augen überdacht werden, was wirklich für die Tiere sinnvoll ist. Ist es in einem normalen Zoo wirklich nicht möglich, den Eisbären das Nutzen der Nase, oder besser das Nutzen all ihrer Instinkte wieder anzugewöhnen? Kann man sich nicht Wege erarbeiten, dass Bären mehr tun für ihr Futter, als sich zur rechten Zeit am rechten Ort in Position zu stellen? Ein Beispiel in kurz: braucht ein Zootier wirklich regelmäßige, öffentliche und zeitlich festgelegte Fütterungen?
Wenn schon nicht ausreichend Platz vorhanden ist, den Bären das Futter auf ihren jeweiligen Anlagen so zu verstecken, dass sie den Tag über beim Suchen den Kopf und sich anstrengen müssen, etwas zu finden; kann man dann nicht das Futter wenigstens schwerer erreichbar machen, in dem man es in Kanister, Kugeln oder sonstige ‚Gefäße‘ verschließt, oder wegen mir an Bäume oder Seilzüge hängt, oder unter Steine packt?
Warum kriegen die Bären keine Fische zum jagen? Warum keine (toten) Tiere ‚am Stück‘ mit Fell und allem Schnipp und Schnapp, die man nicht mit nur einem Happs runterschluckt? Warum – und das ist meine ganz persönliche Meinung – sind Wege in so vielen Zoos so breit und Grünanlagen so üppig, wenn das Alles platztechnisch zulasten größerer Gehege geht? Das sind Zugeständnisse an Besucher und wirken sich letztendlich zum Nachteil der Tiere aus.
In Orsa kann man nicht nur Tiere sehen, oh nein, in Orsa kann man Tiere erleben. Und in Orsa kann man was lernen, über Bären, über Natur, über Dichtung vs. Realität. In Orsa kann man zudem etwas ganz Besonderes erfahren, und zwar über sich selbst.
Und das, das muss ein jeder für sich selbst herausfinden. Fahren Sie hin. Sie werden verblüfft sein und dieses Erlebnis nicht missen wollen. MfG, Ihre Liesel
Leise rieselt der Schnee. Jawohl, der Schnee rieselt leise, aber dafür um so stetiger. Ich bin richtig gehend zufrieden, dass ich nebst den Bären auch dieses Wetter bildlich dokumentieren kann, denn das glaubt einem langsam wirklich niemand mehr.
Es schneit und es sieht nicht danach aus, als ob es vorhätte aufzuhören. Auf der anderen Seite kommen so und nur so die Extrempolarklamotten zum Einsatz. Die Schuhe, die angeblich bis minus 40° Celsius die Kälte weghalten sollen, die dicke Winterhose, der Wollpulli und – TADAH Premiere – Schal und Handschuhe!
Nicht nur hört es nicht mehr mit dem Schneien auf, Nein Nein, es schneit zunehmend dickere Flocken und es ist ganz schön windig, oben am Norrbacken. Nach dem obligatorischen Postkarteneinwurf versenke ich das Auto in einer halb zugefrorenen Gigantopfütze mit Schneesahnehäubchen und stecke fest.
Ich werde kurzfristig hysterisch bei dem Gedanken, dass ich da nie mehr rauskommen könnte. Aber der Gott des Reifenprofils meint es gut mit mir und mit einem ordentlichen Hupps habe ich wieder festen Schnee unter dem Gefährt. Ich verfahre mich nur noch einmal kurz und unwichtig und bin am Ziel.
Die junge Dame am Eingang kennt uns mittlerweile persönlich und simples Wedeln mit der Saisonkarte reicht und wir haben es endlich geschafft.
Einmal die Ersten im Björnpark sein! Auf dem Neuschnee läuft es sich bestens und so sind wir kurze Zeit später bei Ewa und Wilbär. Theoretisch. Denn Ewa und Wilbär glänzen erst einmal durch Abwesenheit. Das heisst, man kann sie sehen, oben in den höheren Regionen ihres Anwesens, aber eben nur so grade. Durch Schnee und Bäume und ohne Beine
.
Es gibt den Morgenssnack und heute haben die Bären offensichtlich größeren Appetit als am Vortag, denn sie rennen, so schnell das eben geht, durch den Neuschnee in das Innengehege.
Ewa schnappt sich eine Haxe und will sie draussen in Sicherheit bringen, als der dicke Mann auch schon hinterher geschlichen kommt und sie ihr abluchsen mag. Wilbär gewinnt, wie so oft, denn Ewa lässt ihm gerne seinen Willen. Nur bei ihren selbstgebuddelten Eislöchern wird sie manchmal fuchtig, Wilbär weiss das und nutzt das waidlich aus!
Ewa hat - während Wilbär an der Wampe arbeitet - erneut mit Ausgrabungen im Schneehügel begonnen. Die Absenz der Dame fällt dem Herrn allerdings noch inmitten der Haxe auf und er ist lieber nicht total pappsatt als ohne Gesellschaft.
Und wo Ewa ein Loch in den Berg buddelt, da ist Wilbär nicht weit und gibt immer wieder den Pfropfen auf den Ausgang, unerheblich ob Ewa im Tunnel ist oder nicht, und notfalls passen auch zwei Bärenärsche in den Eingang. (und gucken Sie mir hier jetzt nicht gleich dispektierlich wegen der Bärenärsche - ’s is nu ma so!)
Notfalls passt eben auch ein Bär in und ein Bär auf den Tunnel, die Frage ist halt nur, warum ist immer der dicke Bär im Tunnel und die schlanke Bärin steht drüber
.
Ich denke ja, der Wilbär ist im Grunde seines Herzen ein echter Charmebolzen und Ewa eine Prinzessin mit Milde im Herzen. Mehr oder weniger von mir unbemerkt, hat es aufgehört zu schneien. Der Himmel ist zwar noch dunkelgraublau, aber es wird mit einem Mal sehr sehr klar in der Luft.
Das scheinen auch die Pelzbrocken gemerkt zu haben und prügeln sich, die Aussicht genießend ein wenig auf dem Schneeberg herum. Das ist sehr freundlich von den Beiden,
denn da oben kann man sie total zaunfrei beobachten und wenn man will fotografieren. Will ich, also losgucken und losknipsen. Langsam aber sicher steuern wir auf auch die zwölf Uhr zu, und wenn es sowas wie eine Art Regelmäßigkeit oder Verläßlichkeit in Orsa gibt, dann ist es die, dass Ewa und Wilbär meistens um die Mittagszeit ein kleines Nickerchen machen.
Und als wenn ich’s verhergedacht hätte, buddeln sich die Beiden eine passende Kuhle und legen sich nach getaner Arbeit zur Ruhe. Sollen wir jetzt wirklich unsere Abschlußrunde durch den Bärenpark machen und los in Richtung Stockholm fahren? Ich denke, oh nein, ganz sicherlich noch nicht!
Einer meiner größten Wünsche ist - so etwas wie mein mieses, fieses Mini-Me hofft immer los wenn es taut - dass einer der beiden Eisbären doch bitte einmal ganz kurz am brüchig werdenden Eisrand der beiden Seen einbrechen möge. Und seit ich weiß, dass die Beiden trotz dünnem Fell nicht frieren, hat sich auch mein Normalgewissen, nasse Bären sehen zu wollen nicht mehr gemeldet.
Ewa und Wilbär sind in das Mutter-Kind-Gehege gewandert (es handelt sich hier um die minimal kleiner Anlage….) und Wilbär beginnt, das vorhandene Eisloch langsam aber sicher größer zu friemeln. Ewa schaut sich das ein Weilchen an und wendet sich dann aber wieder ihren Dingen zu.
Wilbär schafft und popelt das Eisufer Stückchen für Stückchen ab. Und ich verschiebe die Abreise gedanklich noch ein Stückchen weiter nach hinten. In zehn kalten Winter kriegt mich hier im Moment keiner weg. Es könnte ja sein…… Ich frage mich allergings schon, was in aller Welt da in diesem Tümpel eigentlich so unglaublich spannend ist, dass Wilbär einfach nicht aufhören will oder kann mit … was auch immer er da eben grad vorhat!
Sicher wie das unstete Wetter ist, irgendwas zum Spielen findet die weiße Wampe immer. Und plötzlich ist es passiert. Der komplette Eisbär ist im Wasser verschwunden. Eingebrochenn, hat er sich wohl auf dünnem Eis bewegt
(ein blöder Kalauer muss erlaubt sein
) höhö! Heiliger Bimm-Bamm, so schnell habe ich auch noch keinen Eisbär aus dem Wasser kommen sehen. In einem blitzartigen Tempo schwimmt der Bär durch das kleine Loch zum nächsten Eisrand und hieft sich aus dem Wasser. Da macht der Wilbär aber ganz schön Augen. Klatschnass und hellwach.
Needlees to say, dass nun auf garkeinen Fall mit der Abreise begonnen werden kann. Erst einmal muss sich der Bär das Eiswasser aus dem Pelz schütteln. Ich bin total aufgeregt, hier ist ja was los. Und wieder einmal ertappe ich mich kurz in Gedanken bei dem Bären, der das alles leider leider leider nicht erleben kann. ![]()
Auch wenn Wilbär sich, glaube ich, ganz schön erschreckt hat, als er so mir-nichts-dir-nichts im Wasser gelandet ist, scheint ihm das Sekunden später schon wieder egal zu sein. Er donnert quer durch den Schnee und rollt sich trocken. Er zankt ein wenig an Ewa rum und dann kugeln die Bären zusammen durch den Schnee.
Wilbär ist aber noch lange nicht fertig, mit dem, was er eigentlich am Wasserloch vorhatte.
Wir tappen weiterhin im Dunkeln (obwohl die Sonne langsam wieder durch die Wolken schmult) und harren der Dinge, die da kommen. Wilbär friemelt und guckt sich - das hintere Ende sicher an Land - immer mal wieder unter Wasser um. Es ist und bleibt jede Minute spannend!
Aber die weiße Wampe läßt uns nicht mehr lange warten.
Plötzlich zerrt er etwas aus dem Eiswasser und ich muss wirklich lachen. Gibt es etwas typischeres für Wilbär, als einen Kanister? Ich denke nein. Der Kanister des heutigen Begehrens war den ganzen Winter im ‘Packeis’ eingefroren und bei der ersten Gelegenheit, holt er ihn sich zurück.
Wilbär und Ewa leben in Orsa ein geschütztes Leben in einem Bärenpark, das so nah an ihrer tatsächlichen Eisbärenheimat ist, wie es nur irgend geht. Weder Wilbär noch Ewa müssen aus Orsa weg und wenn, ja wenn, Ewa mal Nachwuchs bekommt (und sie wird, da bin ich sicher; wo, wenn nicht in Orsa) dann haben BEIDE Bären nahzu gleichgroße Anlagen.
Keiner der Beiden muss auf Dinge, die ihnen jetzt Spaß machen verzichten, Wilbär wird (wenn Ewa nicht ihren Nachwuchs im Schneeberg bekommt) in der großen Anlage leben und Ewa und die Kinder werden in der kleineren Anlage die Mutter-und-Kind-Zeit genießen können. Ich freue mich, dass es solche Bärenparks gibt. Ich freue mich, dass Ewa und Wilbär dort glücklich sein dürfen. Und glücklich, das sind sie.
Applaus! Applaus! Applaus! Jubel im Stadion! Meine morgendliche Frischluftzigarette ergibt einen glanzvollen Wetterbericht. Sonnenschein, keine Wolken, Si-Sa-Sonnenschein in Orsa. Ich mache den Flummi und hüpfe ins Zimmer von Frau Jott um feierlich SONNENSCHEIN IN ORSA zu verkünden. ![]()
Frau Jott ist a.) bereits wach und kann b.) darob höchstselbst aus dem Fenster gucken und teilt mir mit, das wüsse sie bereits. Ginge es nach mir, würde ich in den Bärenpark vor der Öffnunsgzeit einbrechen, weil ich c.) so derartig wach bin und d.) um eine Stunde Bärenparkzeit zu ‚stibitzen‘. Waschen, Rauchen, Kaffee, Stullen schmieren und los geht die Sause. SONNENSCHEIN! Wetter, Bären, Alle geben Alles! ![]()
Ewa pennt in der Sonne. Wilbär auch. Frau Jott und ich sind umringt von einer wildgewordenen Horde deutscher Touristen. Touristen, die erst in Ewa Floggä erkennen und dann Wilbär zu Knutili machen. Dann fängt auch noch ein Kerl an ein Lied zu singen. Ich versuche dringend meine Ohren vor diesem Atte Katte Nuwa zu verschließen, mit reiner Gedankenkraft. Ich möchte mich gerne umdrehen und diesen Leuten unmissverständlich klar machen, dass ich erwarte, dass sie ihren Sabbel halten, wenn Bären schlafen. ![]()
Die Reisegruppe hat eine Bärenführung gemietet und da ramentert auch schon der Bärenführer herbei, auf einem dieser Quads, die Bärenohren und -nasen angeblich so belasten. Ewa und Wilbär bewegen sich nicht. Einfach aber sowas von garnicht. Sie klammern die Umwelt schlicht und ergreifend aus, ich versuche das hilflos nachzuahmen. Der Bärenführer heisst: Björn. Da muss dann selbst ich losgrinsen. Björn, wie passend… Er erzählt den Touristen Eisbärenzeugs. Die Gruppe hat eine extra Fütterungszuguckung bei Ewa und Wilbär gebucht. Einfach so. ![]()
Ich muss an den ein oder anderen Knutfan denken, der Orsa aus immer unverständlicheren Gründen höllenähnlich definiert, und wen dieser Knutfan wohl spontan verkaufen würde, oder welchen Affenzirkus der veranstalten würde, um einmal eine Eisbärenprivatfütterung bei Knut zu erleben. Hätte man in Orsa haben können, kostet nur eine übersichtliche Menge an Kronen. Der Tag fängt mir an zu gefallen. Tja, und ich bin ein schlechter Mensch. Es gibt ein Lied von Garth Brooks, in dem heisst es: Thank God for Unanswered Prayers. So bekommen Liedtexte eine vollkommen neue Bedeutung. ![]()
Nach der Fütterung sieht man eine ganz Weile lang nichts. Ich bin ja kein Eisbär und habe daher leider keinen Einblick in all die Ausgänge aus dem Innengehege. Also setze ich mich ins Exhibition-Center und führe auf Eisbären wartend eine Selbstfütterung durch. ![]()
Plötzlich sind die Ewa und der Wilbär wieder da. Wo sie herkamen? Keine Ahnung. Aber nach einem eher schläfrigen Tagesbeginn sind beide jetzt ausserordentlich wach. Was tags zuvor vernebelt war, ist jetzt sonnenklar. Und um das Loch im See herum beginnt es sichtbar zu tauen. Ewa und Wilbär raufen und jagen sich über den zugefrorenen See. Und weil es taut, finden sie lauter spannende Sachen - Knochen, Baumstämme, noch mehr Knöchelchen und auch den ein oder anderen neu-alten Kanister. ![]()
Interessant ist, dass die Eisbären ganz offensichtlich (und nicht zu knapp) auf ihre Anlage stoffwechseln und ich beim besten Willen nicht zu Protokoll geben kann, dass die Anlage allabendlich gereinigt werden würde. Ich habe eher die Vermutung, dass eine Anlagenreinigung zwengs der Witterungsverhältnisse komplett ausfällt, also immer. Auch konnte ich keinen wirklichen Frischwassertrog finden. ![]()
Die Bären saufen im See, in den Eislöchern oder mampfen Schnee. Ich weiss sehr wohl, dass man Orsa nicht mit normalen Zoos vergleichen darf, aber ich denke hin und wieder sehr wohl, dass das alles gut zusammen passt. Der Zoo des Grauens und keine liebevolle öffentliche sondern eine private Fütterung und keine freundliche Reinigung, die Schandflecken vom Vortag versinken entweder im angetauten See auf Nimmerwiedersehen oder werden milde zugeschneit. Das Ergebnis der Bärenhaltung in Orsa sind vollkommen “widernatürlich”
gut gelaunte Bären. ![]()
Die im übrigen den ganzen Nachmittag um den und in dem Schneehügel herum spielen. Leute kommen, Leute gehen und Ewa und Wilbär machen was sie machen und lassen sich nicht stören. Wir können uns nicht satt sehen. Sie rennen den Berg hoch und kugeln runter, mal alleine, mal zusammen. Und dann, dann buddeln sie sich eine Kuhle in den Schnee und rollen sich zusammen. Sekunden später sind beide eingedöst.
Ewa schaut immer mal wieder nach dem Rechten und Wilbär träumt wohl von Ewa. Die Bären sind ein wenig weiter als einen Meter von uns weg, man kann sie atmen hören und schnaufen. ![]()
Und wenn es bei Bärens so ist wie bei Katzens, dann haben wir Ewa und Wilbär auch beim Träumen zugesehen. Ewa brummt so vor sich hin und Wilbärs Krallen zucken im Schlaf. Morgen ist unser letzter Tag. Und wir wollen nicht weg! Nie mehr. Man muss schwedisch lernen. Man muss einen Job in Orsa finden. Vielleicht muss man aber einfach nicht nur fünf Tage in Orsa bleiben. Vielleicht ist es nach zwei Wochen leichter am vorletzten Tag nicht fürchterlich traurig zu sein.
19. März 2010, halb Sieben. Frau Jott bollert freundlich an die Tür. “Lebst Du noch?”, fragt sie. Ich brumme laut und vernehmlich, ich bin ein Bär, alles ist gut. Herrjeh, ich bin ja in Orsa und ich habe geschlafen wie ein Stein. Fröhlich sein macht offensichtlich müde! Mit einer Tasse Kaffee und einer Zigarette verschwinde ich in den Carport. Im Ferienhaus herrscht Rauchverbot. Ich muss festestellen, dass das Wetter gar schauderlich ausschaut. Grau, düster und die Wolken hängen tief. ![]()
Wir sind gespannt, mit welchen Überraschungen die Bären wohl heute aufwarten und fahren den Berg nach Grönklitt hoch. Auf dem Berg herrscht dicker Nebel. Der Tiger-Mountain ist nicht zu sehen. Wir finden zwar , dass die Welt in Schneeweiß schöner ist, als in Nebelgrau, aber wir sind ja nicht wegen dem Wetter hier. 10 Minuten zu früh kommen wir am Bärenpark an. Aber es gibt immer Besucher, die noch früher als wir zugegen sind, in diesem Zoo, in den angeblich niemand je geht und den ich bis dato immer fast ein wenig zu voll fand, egoistisch wie ich nun einmal bin, hätten ausser Frau Jott und mir überhaupt keine Besucher da sein müssen. Aber Frau Jott weist darauf hin, dass das wohl nicht so optimal wäre, irgendwie muss das ja alles bezahlt werden. Wo sie Recht hat, hat sie eben Recht. ![]()
Wie auch immer, wir sind mit Anette verabredet. Anette ist eine der Tierpflegerinnen im Björnpark. Anette ist aber, als wir am Eisbärenberg ankommen, noch mit Ewa und Wilbär beschäftigt. Also schauen wir uns den nebelverhangenen Wald an. Und finden es schön, wir sind ein wenig monothematisch in unserer Warnehmung geworden. Irgendwie ist alles schön. Sonne schön, Schnee schön, Regen schön, Nebel schön. Kalt ist auch schön.
Anette ist eine ganz wunderbare Person. Sie wünscht uns fröhlich und freundlich einen guten Tag und steht uns für alle möglichen Fragen zur Verfügung. Wir fragen nach dem dünnen Fell der Bären und sie erklärt, dass es sich bei dem dünnen Fell um einen parasitären Befall handelt, der aber in Behandlung ist und diese Behandlung zeigt Wirkung. Das Fell wächst nach. Sie erklärt uns, dass das im Moment wohl ein recht großes Problem in Zoos ist und dass man eigentlich nicht wirklich sagen kann, was der tatsächliche Auslöser ist.
Wir haben auch in den Zoos in Deutschland in letzter Zeit viele Bären mit Fellproblemen gesehen und haben noch nirgendwo eine vernünftige Erklärung nachlesen können. Anette versichert uns, dass ihre beiden Bären aber nicht darunter leiden oder gar frieren würden (nicht, dass wir das gedacht hätten) . Gut, wer sich tagein - tagaus im Schnee wälzt, dem ist wohl wirklich nicht kalt…. Wilbär sieht mit seiner Rückentonsur aus wie ein Mönch und Ewas nachwachsendes Fell wirkt wie plüschiger Vlies. ![]()
Wir fragen, ob und wie gut sich die beiden mittlerweile miteinander verstehen, und wie gut sie sich eingelebt haben. Anette strahlt. Beide Bären verstehen sich aussergewöhnlich gut, sie gehen vollkommen freundlich und aggressionsfrei miteinander um. Sie fressen zusammen und teilen auch ihr Futter miteinander.
Ewa und Wilbär haben im Björnpark gelernt, dass und wie sie ihre Nasen zu nutzen haben. Ich gucke ein wenig verwirrt. Wie ist das zu verstehen. Anette erklärt, dass Zoobären ihre Nasen nicht zielgerichtet nutzen müssen, da sie ihr Futter stets serviert bekommen und für einen solchen (ich bekomme langsam Zweifel) Luxus benötigen die Eisbären lediglich ihre Augen. Witzig denke ich, denn etwas Ähnliches hat Herr Dörflein einmal erzählt, in einem anderen Zusammenhang. Ich fand es immer komisch, dass über Eisbären die Mähr erzählt wurde, dass sie nicht gut sehen könnte, was Herr Dörflein in Bezug auf Lars mit den Worten “Der ist doch nicht doof, der sieht ganz genau, woher wir mit dem Futter kommen” kommentierte. Dacht ich’s mir doch, dacht ich mir damals, doof sind die nicht! ![]()
Ewa und Wilbär schnüffeln in der Tat ständig, zwar nicht nach ihren Besuchern, sondern eher sehr aufmerksam in der Gegend herum. Und sie finden im Schnee immer wieder Knochen- und Fellreste der Tiere, die im Herbst und Frühwinter in den Anlagen versteckt wurden. Und erschnüffeln sich über den Tag verteilt ihre Snacks.
Dann erzählt Anette, dass die beiden Bären mit Begeisterung am täglichen Klickertraining und Tagettraining teilnehmen. Mit einem bunten Tennisball hat sie den Beiden beigebracht ihr, beziehungsweise dem Ball, zu folgen. Damit kann sie die Bären von einer in die andere Anlage lenken, wenn beispielsweise in einer Anlage Futter versteckt werden soll. Und mit dem Target sollen die Bären lernen, spätere medizinische Untersuchungen zu tolerieren. Ewa und Wilbär sind gute Schüler und lernen schnell.
Wir sprechen über den Zoo San Diego und über Joanne Simerson, die mit ihren Bärinnen Ultraschalluntersuchungen durchführen kann; Anette erzählt, dass das eines der Ziele wäre, einmal Ewa so zu trainieren, dass sie derartige Untersuchungen akzeptiert. Ich denke so bei mir, dass ich wirklich hoffe, dass ihr das gelingt. Das wäre wunderbar. Später, bei einer Ewa’schen Ausgrabung im Schneehügel aber, bekomme ich belustigt Zweifel, ob Ewa überhaupt in ihre mit allem SchnickSchnack ausgestattete Geburtshöhle gehen wird, wenn die Zeit kommt, oder ob sie sich nicht einfach im Schneeberg eingräbt. ;-) ![]()
Ulli und ich sind ein wenig geplättet. Der Zoo, dem so viele nichts zugetraut haben oder wollten ist so viel wissenschaftlicher organisiert und aufgestellt, wie nahezu alle deutschen Zoos, die wir kennen. Wir freuen uns an und mit Ewa und Wilbär. Sie sind in der glücklichen Lage offensichtlich in einem der Zukunftszoos der Welt zu sein. Ein Zuhause, dass wir allen Bären wünschen, Einem ganz besonders. Aber das ist eine andere Geschichte. ![]()
Im Nebel, der immer mehr in die Anlage zieht spielen Ewa und Wilbär ausgelassen. Jeder Tag ist anders. Jeder Tag ist toll. Wir sind froh hier sein zu dürfen. Sehr froh. Postkarten kaufen, heimfahren, Kaminholz kaufen, Wein einschenken, essen und freuen. Immerzu nur freuen! Still two days to go!
Mein Wecker soll um 6:00 Uhr klingeln, aber ich bin schon wieder eher wach. Wir haben den 18. März 2010. Ich bin immer noch total aufgedreht, aufgeregt und vollkommen durch und durch glücklich und beeindruckt. Kaffee, ich mache Frau Jott und mir Kaffee und kann die vier Stunden, bis der Bärenpark aufmacht, gar nicht abwarten. Juchu!!!!!!! ![]()
Habe ich mich gestern verguckt? War mein Gefühlsleben so durcheinander, dass ich mich einfach nur vertan habe in meiner Annahme, dass ich Eisbären in einem Zoo so noch NICHT gesehen habe? Ulli und ich, wir reden und reden und reden vom vorherigen Tag, wie schön, wie unglaublich und wie beeindruckend doch alles war. Wir fragen uns, ob man so ein Erlebnis wiederholen kann. ![]()
Es hat geschneit! Über Nacht hat es geschneit und aus Orsa und Grönklitt hat der Neuschnee einen unwirklichen Weihnachtsraum aus Puderzucker gemacht. Wir gucken uns ungläubig glücklich an, können es nicht fassen, dass wir durch eine Winterwunderlandschaft in eine Winterwunderbärenpark fahren dürfen. Wir wedeln der Eintrittsdame unsere Saisonkarten entgegen und werden willkommen geheißen. Hej, Hej! Vad heter du? Jag heter Liesel! ![]()
Im Bärenpark legt der Schneefall den nächsten Gang ein. Alles ist neuweiß. Wir kommen bei Ewa und Wilbär an der Anlage an. Kein Bär weit und breit. Wir setzen uns auf eine Bank im Exhibition-Center und bewundern die Anlage. Plötzlich, ganz weit oben sehen wir die Bären. Sie kommen in aller Ruhe und Gemütlichkeit nach unten an den zugefrorenen See zugewandet. Wir fühlen uns ein wenig wie in der Arktis. Eisbärenspotting, nur, dass wir im warmen sitzen. ![]()
Ewa ist die erste am kleinen Wäldchen vor dem Schneeberg. Wilbär nimmt sich alle Zeit, die einem Eisbären zustehen. Wir flitzen raus an den schneebestäubten Zaun und – tadah – Wilbär kommt auf uns zugerannt, lässt sich in den Schnee fallen und sagt freundlich: Guten Morgen! Wir sind so beeindruckt. ![]()
Während Ewa ein neues Loch buddelt, beschließt Wilbär einen blauen Kanister zu bespielen. Doch dann findet Wilbär, dass er lieber Ewa bespielen mag. Die beiden sind in einem Ausmaß selbstvergessen, sie merken nicht, dass eine Reihe von Besuchergruppen vorbei kommen, sie ignorieren die vorbeifahrenden Quads, nur der LKW mit Laderampe, den finden sie so spannend, dass sie die Spielerei kurz unterbrechen und mal nach dem Rechten schauen. ![]()
Aber nichts ist so spannend für Wilbär wie die wunderschöne Eisbärfreundin Ewa. Die lässt er nicht einen Moment aus den Augen! Und Ewa darf sogar den blauen Wilbärkanister haben und der Herr des Hauses schaut der Dame einfach beim Spielen zu. Die Bären sind ein wenig schläfrig und beschließen ein Nickerchen zu machen. Zusammen, mit Stöckchen. Und kurz drauf schlafen die beiden Helden ein – tief und fest. Einfach so. Ich könnte heulen, vor lauter Rührung und Begeisterung. Das ist so natürlich, so einfach und doch so richtig. Eine Einigkeit, wie sie diese beiden Bären haben, habe ich noch nie gesehen. ![]()
Ulli und ich gehen nun zu den Wölfen, Tigern und Braunbären (und dazu gibt ein am Ende der Serie einen gesonderten Eintrag).
Am Nachmittag finden wir die beiden Glücksbären in der kleineren Anlage. Sie sind ineinander in den Schnee verknäult, das heißt wenn Wilbär nicht gerade Zuschauer am Zaun an hopst und erschreckt, oder Ewa ein Loch in den zugefrorenen See buddelt. Wie gesagt, Sie kommt ganz offensichtlich aus einer Familie mit einem langen Bergbaustammbaum. Selbst Wilbär ist zutiefst beeindruckt und legt sich dann zu Ewa und schaut interessiert in ihr Wasserloch. Und sie ist stolz und lässt Wilbär einen Blick in ihr Machwerk werfen! ![]()
Und Schwups ist es wieder fast drei Uhr, wir brauchen mehr Postkarten, dringend. Und Briefmarken, auch wichtig. Wir brauchen mehr Wein fürs Abendglück und wir brauchen Kaminholz. Wir haben Hunger, wir sind müde aber wirklich wirklich restlos glücklich und wir haben noch drei weitere Tage im Bärenglück. ![]()
Wir grinsen auf dem Weg runter vom Berg in unsere Hütte von einem Ohr zum anderen und können es immer noch nicht glauben, wie unfassbar toll toll toll es ist! Und morgen gibt es eine Überraschung der besonderen Art für Frau Jott und mich. Sie werden sehen, dass Sie nichts sehen.
Es ist Mittwoch, der 17. März 2010 und um halb vier klingelt mein Wecker. Theoretisch, denn ich bin bereits wach und fürchterlich aufgeregt. Heute geht es nach Schweden. Endlich! ![]()
Die dickste Winterausrüstung ist im Koffer, Kamera und Notebook sind im Rucksack und um kurz nach fünf verlasse ich die Wohnung in Richtung Flughafen. Frau Jott, mit der ich die Reise in den Traum mache, ist ebenso aufgeregt und gespannt wie ich. Wir liegen beide koffertechnisch unter dem 20-kg-Limit, dürfen ordnungsgemäß das Flugzeug betreten und sind nur zwei Stunden später in Stockholm. ![]()
Trotz nicht vorhandenen Sprachkenntnissen gelangen wir zu unserem Zoobesuchsmobil und rasen los in Richtung Grönklitt, wo wir vollkommen unproblematisch mit einer Punktlandung um 13:30 Uhr den Eingangsbereich betreten und uns jeder eine Saisonkarte zum Bärenpark kaufen. Es kann losgehen. ![]()
Das Problem bei sehr hohen Erwartungen und Hoffnungen ist immer, dass man hinterher da steht und enttäuscht ist. Orsa, der Bärenpark, Grönklitt, aber vor allem Ewa und Wilbär haben die Erwartungen aber übertroffen, locker und um Längen übertroffen.
Unser Weg führt uns mehr oder weniger direkt nach Polar World, der ganze Bärenpark ist über und über mit Schnee bedeckt und strahlend weiß. Wir kommen um die erste Biege zum kleineren der zwei Gehege und sehen Ewa und Wilbär sofort. Wilbär kugelt im Schnee und Ewa buddelt ein Loch in den Schnee.
Ich kann es nicht fassen, ich kann es einfach nicht fassen, ich bin da, es ist wunderbar und die beiden Bären sind ausgelassen und fröhlich. Ich versuche mich mit dem Maschendrahtzaun zu arrangieren und fange an wie durchgedreht zu fotografieren. Irgendwie dreht sich alles in meinem Kopf und ich denke immerzu: Das glaubt einem keiner; das gibt es ja überhaupt nicht.
Ewa und Wilbär sind in der Zwischenzeit in die größere der beiden Anlagen gewechselt und Wilbär schnappt sich einen der unzähligen blauen Kanister und schleudert ihn in der Gegend rum, während Ewa im freundlich interessiert zuschaut. Sie ist ja ein wenig älter und lässt den Knirps die Faxen machen. Ich bin nach wie vor fassungslos, wie groß die Gehege sind. Und trotzdem kann man sehen, dass die Bären überall bereits langgeschlendert sind.
Im Schneeberg in der größeren Anlage auf der linken Seite kann man sehen, dass überall Höhlen oder Tunnel hinein gegraben wurden. Ulli und ich sind uns einig: das war wohl Ewa, denn Ewa scheint der Bergbauspezialist zu sein. ![]()
Plötzlich kommt Wilbär auf uns zugelatscht und schlabbert mit der Zunge die Scheibe ab. Ich versuche ihn zu fotografieren, aber leider ist er zu nah und die Kamera löst nicht aus. Also guck ich die weiße Wampe an und muss mich sehr wundern, er ist nämlich richtig groß geworden und hat einen richtig erwachsenen Kopf bekommen. Ich finde, er ähnelt Anton bereits ein wenig. ![]()
Eineinhalb Stunden gehen vorbei wie im Fluge, der Bärenpark hat im Winter nur bis 15:00 Uhr geöffnet. Wir besorgen jede Menge Postkarten und Briefmarken, kaufen uns später in Orsa unser Abendbrot und beziehen müde und sehr sehr sehr glücklich unsere Ferienwohnung. Ich kann es nicht fassen, ich kann es überhaupt nicht fassen. Ich bin in Orsa, ich war im Bärenpark und ich habe Wilbär und Ewa gesehen, die beiden spielen miteinander so wie ich es noch nie bei Eisbären gesehen. ![]()
Wir machen den Kamin an und trinken auf diesen tollen Tag ein Glas Wein. Und wir freuen uns, denn wir haben noch vier ganze Tage im Bärenpark. Und hier nun Teil 1 der Bildergalerie aus Orsa, Wilbär der Große! Viel Spaß bis zu Teil 2, wo man wach wird und alles ist über Nacht in Puderzucker geschneit. Zwengs der Bilder hier im dicken Fell, draufklick und freu!

